Tunesien

Wie geht es dem Land nach der Revolution?

Sieben Jahre sind seit der Revolution in Tunesien bereits vergangen. Seit dieser Zeit hat sich vieles in dem Staat geändert, aber nicht alles zum Positiven. Starre Strukturen, korrupte Behörden und alte Politiker sorgen für einen Stillstand im Land. Die junge und gebildete Bevölkerung, die den Aufstand und die Revolution gegen das Regime von Präsident Zine el Abidine Ben Ali ursprünglich getragen hat, zieht es ins Ausland. Die Generation, die eigentlich den Umschwung für ihren Heimatstaat wollte, ist desillusioniert und enttäuscht. Doch weshalb bewegt sich in Tunesien nichts?

Vor sieben Jahren herrschte eine Aufbruchsstimmung im Land. Doch davon ist nicht viel übrig. Das stagnierende und blockierende politische System in Tunesien führt zu einer Abwanderung von vor allem jungen Menschen. Die italienischen Behörden registrierten fast 8.000 tunesische Flüchtlinge im Jahr 2017. Auf tunesischer Seite wurden mehr als 300 Boote von der Küstenwache gestoppt, die nach Europa fahren wollten. Die Ausreisenden sind fast alle männlich, zwei von dreien sind zwischen 20 und 30 Jahren alt und somit eigentlich im besten erwerbsfähigen Alter. Doch sie sehen keine Zukunft für sich in Tunesien. Wiewohl sie um die Gefahr der Bootsfahrten nach Europa Bescheid wissen, versuchen sie es trotzdem. Denn in einem Leben in ihrem Heimatstaat sehen sie keine Hoffnung. In Teilen Tunesiens finden bis zu 40 Prozent der Hochschulabsolventen keinen Job. Zugleich nehmen Protestbewegungen wieder zu. Dabei geht es um grundlegende Themen, Arbeit, Infrastruktur und eine funktionierende Wasserversorgung. Von der Politik selbst haben sich die jungen Menschen aber bereits entfernt. Diese ist zu pessimistisch und rückwärtsgewandt, um die jungen Menschen zu inspirieren. Zudem sind die Politiker um einiges älter als die junge tunesische Bevölkerung und versteht die Probleme der jungen Generation nur zum Teil.

Was müsste geschehen, um den jungen Menschen in Tunesien Perspektiven zu bieten? Die Wirtschaftslage zeigt sich alles andere als rosig. Der tunesische Dinar verlor gegenüber dem Euro im letzten Jahr 25 Prozent seines Wertes. Der Staatshaushalt kann nur durch die Kredite von Weltbank und Internationalem Währungsfonds ausrecht erhalten werden, trotzdem geht die Hälfte des Staatshaushaltes in den großen Beamtenapparat. Neben einer Modernisierung und Verschlankung der verkrusteten bürokratischen Struktur und dem damit einhergehendem Kampf gegen die Korruption ist es vor allem essentiell, Arbeitsplätze zu schaffen. Dies verleiht den jungen Menschen Selbstbewusstsein und eine Perspektive für die Zukunft. Aber die Schaffung von Arbeitsplätzen ist nicht allein entscheidend. So würden Ärzte, vor allem junge Kardiologen, vermehrt legal nach Europa ziehen. Auch IT-Fachkräfte würden oft vergeblich in Tunesien gesucht, denn diese arbeiten ebenfalls oft im europäischen Ausland. Die Zukunft Tunesiens sieht somit wenig rosig aus, die anfänglichen Bemühungen und Veränderungen nach der Revolution scheinen verschwunden zu sein.