Absetzbewegungen in Europa

Warum wollen sich Teile in Europa abspalten?

Es gibt einige Regionen in Europa, die in regelmäßigen Abständen ihre Abspaltungstendenzen äußern. Diese separatistischen Bewegungen gehen fast ausschließlich von reichen Regionen aus. Beispiele in Europa dafür sind etwa das belgische Flandern, die italienische Lombardei oder – zurzeit sehr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit – das spanische Katalonien. Die genannten Regionen sind oftmals verärgert über die Solidarabgaben an ihre ärmeren Nachbarregionen und wollen deshalb ein eigenständiger Staat mit einem eigenständigen Budget werden.

Doch der Abspaltungswille ist nicht nur wegen der Finanzen präsent. Die separatistischen Regionen geben sich oftmals ganz eigenen Vorstellungen rund um ihre Regionen hin. Darin geht es um die Sprache, die Kultur, Mentalität und die Geschichte. Alles ist ein wenig anders als in der Nachbarregion und deshalb würde – dem Verständnis der abspaltungswilligen Regionen zufolge – auch die Zukunft mit einer Abspaltung ganz anders aussehen, nämlich glänzender und erfolgreicher. Ein aktuelles Beispiel ist das spanische Katalonien. Die Separatisten erreichten bei den Wahlen im vergangenen Dezember die Mandatsmehrheit, fühlen sich deshalb in ihrer Position bestätigt und wollen ihre Bemühungen, sich von Spanien abzuspalten, intensivieren. Aber ihnen schlägt auch ein starker Gegenwind entgegen. So bedienen sich auch die reicheren Städte innerhalb Kataloniens der Argumentation der Separatisten und fragen, warum sie für die ärmeren Regionen Kataloniens mitbezahlen sollen. Separatistische Bewegungen können somit durchaus Kettenreaktionen auslösen und immer kleinere Einheiten umfassen, die künftig selbstständig agieren wollen. Ein negatives Beispiel des Separatismus ist etwa Bosnien-Herzegowina, das während des Kriegs von 1992 bis 1995 zerrissen würde und bis heute darunter leidet.

Für die Nationalstaaten ist es zunehmend schwerer, allen geopolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen gerecht zu werden. Das umschließt Themen wie die Globalisierung, den Klimawandel, die Finanzkrise und die Migrationsfrage. Auch die Mitgliedschaft in der Europäischen Union ist immer wieder etwas, das von separatistischen Regionen kritisch hinterfragt wird. Hier bietet Großbritannien mit dem Brexit ein erstes Beispiel an, an dem sich Regionen in Zukunft orientieren könnten. Festzuhalten ist, dass sich Regionen abspalten wollen, um in Zukunft besser und erfolgreicher zu agieren. Dass die Einbindung in einen großen Staat aber auch viele Vorteile bringt, wird dabei oft vergessen. Es bleibt zu hoffen, dass etwaige zukünftige Abspaltungen wohlüberlegt sind – mit all ihren Konsequenzen – und dass sie, wenn sie stattfinden, durch friedvolle Verhandlungen erfolgen.